Reisebericht

Gran Canaria #3: Rollertour an der Westküste

13. Juni 2015
Rollertour Gran Canaria Blog - 1

Urlaub im Urlaub. Eigentlich bin ich ja zum arbeiten hier, auch wenn das vielleicht nicht den Anschein hat. Immerhin bin ich auf den Kanaren, auf denen die meisten ja schließlich zum Urlaub machen hingehen. Klar, ich habe sehr viel Freizeit, aber trotzdem muss ich einer Pflicht nachkommen, also sind es vom Gefühl her nicht wirklich Ferien.

Gut, dass mich Mirko für eine Woche besucht hat. Zusammen haben wir uns einen Roller gemietet und sind damit an der Westküste entlang gefahren. Endlich konnte ich mal ein bisschen die Insel erkunden. Und die bietet mehr als nur Strand und Wellen.

Tag 1: Von San Felipe nach Puerto de las Nieves

Am frühen Samstag Nachmittag geht es los, nachdem wir am Tag zuvor einen 125er Roller gemietet hatten, denn wir in Deutschland vermutlich nie bekommen hätten. Immerhin besitzt keiner von uns einen Motorradführerschein. Trotzdem haben wir ihn angeboten bekommen und wer sagt da schon nein. Vollgepackt fahren wir von San Felipe aus Richtung „Agaete“, unser erstes Ziel entlang der Küste. Entlang der Autobahn (GC-2) sieht man einige kleine Dörfer, die durch die vielen bunten Fassaden und die trockene Landschaft drumherum sehr orientalisch anmuten. Unser Weg führt uns durch Guía (von hier kommt übrigens ein sehr leckerer Käse, der Queso Flor de Guía, eine Spezialität von den Kanaren. Er besteht aus Kuh-, Schafs- und Ziegenkäse.) und Gáldar, von wo aus wir einen Abstecher zum Leuchtturm auf der Klippe von „Punta de Sardinia“ machen. Von hier sieht man übrigens schon einen großen Teil der steil abfallenden Westküste, das ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Entlang der Küste fahren wir weiter nach „Puerto de las Nieves“, wo wir nach einem kleinen Hafenspaziergang auch zum essen einkehren. Wie es sich für einen ordentlichen Start in eine gelungene Woche gehört, gibt es erstmal eine deftige Fischplatte, dazu ein spanisches „servecsa“ Tropical Limón. Köstlich! Von diesem ehemaligen Fischereihafen läuft übrigens nun die Fähre nach „Santa Cruz de Tenerife“, die Hauptstadt Teneriffas, alle paar Stunden aus.

Nach dem Essen ist es bereits dunkel und wir machen uns auf den Weg zu unserem ersten Schlafplatz am „Playa de Guayedra“. Etwas oberhalb des Hafens ein Stückchen die Küstenstraße (GC-200) hinauf, parken wir unseren Roller und laufen einen kleinen Pfad den Hang hinab, bis wir eine kleine Bucht erreichen, in der auch andere Abenteuerlustigen schon ihr Lager aufgeschlagen haben. Nach einem kurzen Plausch -Mr. Pixel versteht wieder mal kaum was, da Spanisch- legen wir uns mit unseren Isomatten und den Schlafsäcken im Strand schlafen.

Übrigens: Schlafen im Sand und direkt am Meer am besten mit Oropax (o.Ä.), nicht nur wegen dem Wellenrauschen, sondern auch wegen dem Sand, der einem Ständig um die Ohren weht. Sonst hat man wie ich auch jetzt noch, tagelang Sand in den Ohren. Außerdem ist ein kleiner Windschutz aus Steinen die Arbeit wert. Am nächsten morgen stehen wir leicht gerädert auf, denn viel Schlaf gab es in dieser Nacht nicht. Immerwieder hat uns entweder der wehende Sand, die kurzen Regenschauer, das Wellenrauschen oder alles zusammen aus den Träumen geholt.

Tag 2: Vom Playa de Guayedra nach Tejeda

Bevor es wieder zu Regnen beginnt packen wir unseren Kram und machen uns nach einem kurzen Frühstück wieder auf den Weg zurück zum Roller. Etwas unnatürlich wirkt die kleine Oase, die sich hier ein Schweizer aufgebaut hat. Inmitten von karger Felslandschaft und mit einem Zaun umgeben (der mit übertrieben vielen „Wenn du hier rein kommst wirst du von meinem Hund zerfetzt“-Schildern leicht abschreckend wirkt) wachsen hier plötzlich in allen Formen und Farben Pflanzen und Palmen.

Nach einer kurzen Komplikation, bei der wir wieder umkehren mussten, weil uns der Sprit ausging & die nächste Tankstelle leider auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag, kommen wir in Aldea an. Die Straße dorthin führt hauptsächlich direkt an der Küste entlang und rechts geht es einige hundert Meter senkrecht nach unten.

Von hieraus fahren wir die kurvige Straße entlang die in die Berge führt und kommen dabei durch tiefe Täler mit Stauseen, passieren schroffe Hänge und kommen schließlich im höchsten Bergdorf der Insel – Artenara – an. Artenara ist mit 600 Einwohnern ein recht kleines Dorf. Die Bewohner hier leben schon seit vielen Generationen in Höhlen, die per Hand aus dem Felsen gehauen wurden. Sehr beeindruckend, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit Das sein muss. Hier gibt es auch ein Cave Hostel, indem man sehr günstig in einer der Höhlen übernachten kann. Im Schatten der Berge wird es jedoch immer schnell kalt und wir sind froh, dass wir Jacken dabei haben. Um uns aufzuwärmen beschließen wir, in einem Höhlenrestaurant (über einen 50 Meter langen Tunnel erreichbar, direkt unter dem Hügel mit Kreuz) einen Kaffee zu trinken. Das Restaurant ist, wie auch die Häuser, in einer Höhle gelegen. Als Speißeraum dient eine große natürliche Terrasse, von der man auf das komplette Tal blicken kann. Außerdem ist es bewölkt und so beschließen wir weiter nach Tejeda zu fahren. Dort scheint nämlich offensichtlich noch die Sonne.

Tejeda erreichen wir am späten Nachmittag. Wahrscheinlich trägt die tief stehende Sonne dazu bei, dass wir uns sofort pudelwohl fühlen. Das Dorf ist mit das Schönste, was ich bisher auf der Insel gesehen habe. Vom Kirchplatz aus schaut man auf den unteren Teil des Dorfes hinab, das sich noch einige hundert Meter Richtung Süden ins Tal erstreckt. Hier gibt es auch ein paar kleine Restaurants, allerdings haben nicht alle in der Low Season geöffnet. Wir finden das „Tejeda Hostal“, indem wir für 30€ pro Nacht (2 Pers.) im Doppelzimmer mit Bad übernachten können. Nachdem wir unser Gepäck dort abgelegt haben, machen wir uns auf den Weg um ein bisschen das Dorf zu erkunden. Viel ist hier nicht los, was aber auch kein großes Wunder ist, denn hier gibt es gerade einmal 800 Einwohner. Trotzdem merkt man, dass sie sich alle Mühe geben, das Dorf schön zu gestalten und sauber zu halten. Die kleinen terrassenförmig angelegten Felder, die freilaufenden Hühner, die kleine Kirche und die gesamte Architektur lassen bei mir einen sehr malerischen Eindruck zurück. Sogar ein kleines Schwimmbad gibt es hier oben, gleich neben einem kleinen Park. Zu Abend gönnen wir uns eine Pizza in der Pizzeria Sabores direkt an der Kirche.

Tag 3: Roque Nublo & Pico de las Nieves

Am nächsten Tag geht es Richtung Roque Nublo. Wieder einmal nehmen wir, faul wie nie, den Roller zur Hilfe um zum Einstiegsort für die Wanderung zu gelangen. Von Tejeda aus folgen wir der kleinen Straße Richtung Südwest nach La Culata. Hier stellen wir den Roller ab & folgen dem beschilderten Weg. Dabei durchqueren wir zunächst noch das Dorf und passieren ein paar Ziegenställe, danach geht es den Berg hinauf. Nach wenigen Minuten sind wir von einem wunderschönen lichten Kiefernwald umgeben. Überall auf dem Boden sind Tannennadeln & in der Luft hängt ein angenehmer Geruch von Holz.  Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir das Plateau, dass sich direkt vor dem Roque Nublo auftut und machen erstmal Picknick. Die Aussicht ist genial, das Wetter ist prächtig und wir sind froh hier oben zu sein.

Später am Tag entscheiden wir uns noch dazu, beim Pico de las Nieves vorbei zu fahren um auch mal auf dem höchsten Punkt der Insel zu sein. Auf dem Weg nach oben erfrieren wir beinahe, denn im Schatten der Berge und in diesen Höhen, kühlt der Fahrtwind schon ziemlich aus. Hier oben befinden wir uns nun nämlich auf ca. 1950 Metern Höhe. Direkt neben dem Parkplatz steht eine Militärbasis, die auch schon von weiter unten durch ein großes rundliches Sonarortungsfunkding gut erkennbar ist. Somit weiß man immer, wie weit es noch ist. Hier oben stehen wir buchstäblich über den Wolken, denn nicht weit entfernt ziehen Wolken unter uns vorbei. Die Aussicht ist genial, wieder einmal.

Tag 4: Playa de Guigui & der Versuch mit Maspalomas

Am vorletzten Tag unserer Rollertour machen wir uns auf den Weg zum heiß ersehnten Ziel. Der Playa de Guigui im Südwesten der Insel. Dieser Strand ist wohl der schönste auf der ganzen Insel. Abgelegen und nur nach einer 2 Stunden dauernden Wanderung zu Fuß erreichbar, liegt er versteckt hinter ein paar Bergen. Nachdem wir den Roller in den Sand gelegt haben, machen wir uns von Tasartico aus mit unseren Rucksäcken und mit Proviant ausgerüstet auf den Weg. Immerhin wollen wir dort für eine Nacht bleiben..

Der Aufstieg ist gar nicht mal ohne! Immerhin muss man fast 850 Höhenmeter hinter sich bringen. Zum Glück haben wir nach kurzer Zeit einen Begleiter, der uns mit seiner Ausdauer immer ein bisschen anspornt. Wir werden nämlich von einem kleinen streunenden Hund begleitet, der erst sehr misstrauisch mitläuft, dann aber allmählich richtig zutraulich wird. Er folgt uns bis zum Strand auf der anderen Seite des Berges, den wir nach 2 Stunden schweißtreibenden Wanderns erreichen. Halleluja! Und wie wir uns freuen. Alle Erwartungen werden mit einem Schlag übertroffen, als wir am Nachmittag dort eintreffen. Ein wunderschöner Sandstrand, Palmen, Sonne, klares Wasser, eine Düne, auf der wir uns wie kleine Kinder den Hang hinunterkullern lassen um unten glücklich liegen zu bleiben & die Abgeschiedenheit machen es perfekt. Ich fühle mich abends am Lagerfeuer wie neugeboren. Auch Hundi ist noch da.

Wir übernachten im Sand mit Iosmatte & Schlafsack. Gegen den Wind errichten wir eine kleine Mauer aus Steinen. Unter einem grandiosen Sternenhimmel lässt es sich nur schwer einschlafen, denn die Aussicht ist auch hier gigantisch. Die Lichter der Fischerboote, die sich mit der Dämmerung vor dem Strand versammeln, sind die einzigen künstlichen Lichtquellen… achja, & Mirkos Hightechstirnlampe.

Am Morgen wache ich mit Sand in jeder erdenklichen Körperfalte auf. Der Windschutz hat leider nur bedingt gewirkt. Kurzes Frühstück & schon machen wir uns wieder auf den Weg zurück. Hundi, mittlerweile auf Idefix getauft, ist immer noch da & schließt sich uns auch freudig wieder an um den Berg zu erklimmen. Vielleicht liegt das ja auch an den ganzen Sachen die wir ihm mehr oder weniger aus Mitleid zum Fressen gaben, denn er sieht ja schon etwas mitgenommen aus. Das größte Problem ist das Wasser, denn damit haben wir uns ein bisschen verschätzt. Für den kompletten Rückweg bleibt uns nur noch eine zu einem Drittel gefüllte 1,5 L Flasche. Wohlgemerkt, es ist so um die 12 Uhr, die Sonne knallt & wir sind zu dritt. Dieser Umstand & das karge Frühstück tragen wohl dazu bei, dass wir auf dem Rückweg kaum 10 Worte wechslen & wir heilfroh sind, als wir etwas dehydriert am Roller ankommen. Schnell in die nächste Stadt & erstmal ordentlich einkaufen…

Der letzte Stop auf unserer Tour sind eigentlich die Dünen von Maspalomas. Hier wollten wir die letzte Nacht ebenfalls unser Lager im Sand errichten. Doch schon auf dem Weg dorthin schlägt uns der Massentourismus entgegen, der sich an der Südküste von Gran Canaria breit gemacht hat. Wenn man gerade aus wunderschöner Landschaft & kleinen Bergdörfern kommt, dann muss man sich ganz schön am Roller festhalten, um vor Entsetzen nicht hinunter zu fallen. Überall Bettenburgen, Strände mit penibel gerade angelegten Reihen von Sonnenschirmen & dicke deutsche Neckermann-Touris, die in ihrem Parasailing-Schirm vorbeifliegen. Wahrscheinlich gab es das für 10€ extra zum Inklusivpaket dazu…

Nach dem wir uns an den etlichen Hotels & an Stadtteil „Sonnenland“ vorbei gekämpft haben kommen wir an den Dünen an. Klar, der Anblick ist schon ganz schön. Auch der lange Sandstrand hat seinen Reiz. Jedoch bekomme ich nach kurzer Zeit schlechte Laune, weil hier so gut wie überhaupt keine Einheimische mehr anzutreffen sind & man aus jeder Ecke deutsches Gefasel („…hier kansch dich überall nalege, des isch wunnabaar!…“) hört. Außerdem ist Maspalomas weniger eine Stadt als eher ein Ort wo sich der klischeemäßige Inklusivurlaubbucher in seinem Bettenbunker umgeben von Seinesgleichen wohl fühlt. Nach kurzer Zeit habe ich auch Mirko davon überzeugt zurück nach Las Palmas zu fahren um die letzte Nacht dort zu verbringen.

Rollertour Gran Canaria Blog - 45

Das war eine super Woche, Mirko! Danke dafür!

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1 Comment

  • Reply Apfelschorsch (der mit M.) 14. Juni 2015 at 10:44

    Gerne wieder!

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