Reise

Süd-Norwegen (Rogaland): Lysefjord Rundt

24. August 2014
lysefjord

Mein Trip nach Norwegen ist beendet. Aus den 17 Tagen Urlaub sind leider nur 6 geworden, aber trotzdem will ich mich nicht beklagen. Es war eine schöne Woche und neben schönen Erinnerungsfotos habe ich auch meine ersten Erfahrungen im Trekking gemacht.

Tag 1

Unsere Reise beginnt am Frankfurter Flughafen. Ich bin schon auf der Hinfahrt total aufgeregt, da der letzte Flug bei mir schon viele Jahre zurück liegt. Nach dem Check In geht es auch bald los und wir besteigen unsere Maschine Richtung Stavanger. Das Gefühl der Beschleunigung habe ich noch aus Kindertagen als sehr beeindruckend in Erinnerung, beim Start bekomme ich Gänsehaut.

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„Die Sicht von oben ist der Hammer!“ Sogar Sylt kann man sehen…

Für mich, der schon lange nicht mehr in einem Flieger gesessen ist, ist die Sicht von oben der Hammer! Die Serviceanzeige geht aus und wir bekommen einen Kaffee, eine Cola und ein Sandwich serviert. Der Flug vergeht wirklich „wie im Flug“ und nach gefühlten 10 Minuten überfliegen wir schon Sylt. Bald darauf können wir aus den Flugzeugfenstern die Westküste Norwegens begutachten.

Ganz schön flott unterwegs: Die Fähre verlässt Stavanger

Vom Flughafen geht es mit dem Bus zum Hafen, um dann von dort via Fähre nach Jørpeland zu kommen, wo unsere Wandertour starten soll. Die Überfahrt über das Wasser, vorbei an kleinen Inseln die wie gemalt aussehen und nebenbei an Kinderbücher wie Pettersson & Findus erinnern, vergeht auf der Expressfähre ziemlich flott. Nachdem wir in uns mit den letzten wichtigen Dingen eingedeckt und einen Bottich Eis geleert haben, geht die Wanderung gegen 19 Uhr los.

Die erste Tour führt uns ein kurzes Stück auf der Straße entlang der Jørpelandsåna (kleiner Fluss), bis der Wanderweg (gekennzeichnet durch kleine rote T’s am Wegrand) in die Wildnis führt. Die Wege werden immer enger und sind schließlich nur noch Trampelpfade, die durch märchenhafte Waldlandschaften führen. Der Boden ist mit Heidekraut bewachsen und ab und zu sieht man größere Felsbrocken herumliegen. Die Bäume hier wachsen kreuz und quer durch die Gegend. Der Weg schlingert umher, sodass ich nach einigen hundert Metern schon nicht mehr genau sagen kann, aus welcher Richtung wir eigentlich kommen. Zum Glück ist der Weg gut markiert und an Kreuzungen ist oft ein Wegweiser vorhanden.

Nach knappen 3 Stunden Fußmarsch entdecken wir auf einem Hügel durch Zufall eine kleine Hütte. Beim Näherkommen werden noch 2 weitere Hütten sichtbar, vermutlich ein Camp eines Vereins. Da wir niemanden antreffen, schlagen wir neben einer Feuerstelle kurzerhand unser erstes Nachtlager auf. Leider fängt es bald darauf an zu regnen, sodass wir uns in unsere Zelte zurück ziehen. Auf dem weichen Waldboden sinke ich trotz stinkender Füße in den ersten Schlaf in meinem neuen Zelt…

Tag 2

Frühstück, es gibt Erbsensuppe…

Am nächsten Morgen wache ich 2 Stunden vor den Anderen auf und kann so mein Zelt gerade noch rechtzeitig im Trockenen abbauen und den Rest unter eines der Vordächer der Hütten bringen.Während der Rest der Gruppe sich noch nicht vor die Zelte wagt, IMG_9866erkunde ich ein bisschen die Gegend und bemerke, dass wir nicht weit von einem kleinen See entfernt sind. Nachdem wir gefrühstückt haben, es gibt Erbsensuppe aus der Tüte, machen wir uns auf den Weg zum Preikestolen.

Immer noch geht es durch den Wald und bald kommen wir an einem weiteren See vorbei, an dem einige Ferienhäuser liegen. Da es von hier aus keine direkten Wanderpfade zum Preikestolen gibt, müssen wir ein ganzes Stück an der Landstraße entlang. Nach einigen Stunden Fußmarsch kommen wir an der Preikestolenhytta an, von der aus wieder Wanderpfade zum Gipfel führen. Wir entschließen uns, heute noch bis nach oben zu wandern um somit noch knapp 350 Höhenmeter hinter uns zu bringen.

Die Hütte am Einstieg des Wanderpfades ist bewirtschaftet und es kann hier auch übernachtet werden. Man merkt, dass der Preikestolen ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Es sind viele Tagesausflügler unterwegs, die zum Teil mit dem Bus hier ankommen.

„Man ist wieder unter Menschen. Man kommt sich vor wie auf einem Pilgerpfad.“

Der Weg nach oben ist gut gepflegt und ist auch für diejenigen geeignet, die nicht wie wir mit Wanderausrüstung unterwegs sind. Je höher wir kommen, desto schöner wird die Aussicht. Am Preikestolen angekommen staunen wir nicht schlecht, denn hier steht man direkt oberhalb einer ungesicherten, knapp 700 Meter hohen Felswand. Wir haben Glück mit dem Wetter und so ist auch die Aussicht über den Fjord bombastisch.

Lädt auch zum abkühlen ein: unser zweites Camp

Zum Übernachten bauen wir unsere Zelte an zwei kleinen Seen auf, an denen man auf dem Weg nach oben vorbei kommt. Auch in dieser Nacht regnet es, allerdings etwas stärker als zuvor. Das Einschlafen fällt nicht ganz leicht.

 

Tag 3

Trotz des Regens in der Nacht haben wir beim Aufwachen Glück und die Sonne scheint. So sind die nassen Sachen schnell getrocknet und wir können unseren Weg fortsetzen. Wir nehmen die Abzweigung Richtung Bratelli und lassen den Preikestolen hinter uns. Wir kommen an mehreren kleinen Bächen vorbei, die aus den umliegenden Bergen kommen. Hier kann man gut pausieren und durchatmen, während der Durst gestillt wird und die Wasservorräte aufgefüllt werden.

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Ziel ist heute eigentlich Bratteli, mehr eine kleine Ansammlung an Häusern als ein Dorf, jedoch kommen wir auf dem Weg dorthin an einem richtig schönen See (Skogavatnet) vorbei, und wir beschließen kurzerhand den restlichen Tag und die Nacht hier zu bleiben. Nachdem die Schmutzwäsche der letzten Tage gewaschen ist, gehen wir schwimmen. Von den riesigen Felsbrocken die im Wasser liegen kann man super ins Wasser springen. Den restlichen Tag und den Abend entspannen wir ein wenig am Feuer und spielen Karten.

„Am Abend kommen die Mücken und wir flüchten in die Zelte.“

Tag 4

IMG_0057Der Nächste Tag wird von Sturmböen eingeläutet, die schon eine kleine Aussicht auf das Wetter am Abend bringen. Heute schaffen wir es bis an den Fähranleger Songesand. Der Weg führt uns durch Bratteli, vorbei am Lysefjord Inn (eine unbewirtschaftete Wanderhütte, auf der man für 40€ übernachten kann) und ein ganzes Stück direkt an der Steilküste des Fjords entlang. Kurz bevor wir den Anleger erreichen treffen wir einen Wanderer, der auch auf dem Weg ist, den Lysefjord zu umrunden.

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Das Lysefjord Inn

„Auf Schafe trifft man hier auf jeden Fall öfter als auf Menschen.“

Allerdings kommt er von der anderen Seite und teilt uns mit, dass es entlang des Fjords keine Einkaufsmöglichkeiten gibt. Die Neuigkeit senkt in unserer Gruppe ein wenig die Moral, da wir eigentlich vorhatten, in Lysebotn, dem Dorf am Ende des Fjords, einzukaufen. Zwar haben wir genug Essen dabei um 14 Tage autark zu sein, allerdings würde unser Brennstoff für den Kocher da nicht mithalten. Somit sind wir am Abend damit beschäftigt, unsere Pläne umzuschreiben. Nach längerem Hin und Her beschließen wir, am nächsten Tag mit der Fähre nach Flørli (auf der anderen Seite des Fjords) überzusetzen, um von dort dann über den Kjerag nach Lysebotn zu wandern. Dort hätten wir dann abermals die Fähre genommen, um wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt zu gelangen.

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Je näher der Abend rückt, desto mehr Wolken ziehen auf und der starke Wind wird langsam zum Sturm. Kurz darauf fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Als Zufluchtsort dient eine kleine Wartehütte am Kai, die sogar mit einer Toilette ausgestattet ist. Da hier offensichtlich auch Nachts nichts abgeschlossen wird, ergreifen wir die Gelegenheit einer überdachten Schlafmöglichkeit am Schopf und richten uns auf den 2 Sofas ein. Mal wieder Schwein gehabt! Die 2 Franzosen, die wir kurz vor unserer Ankunft dort treffen, haben eindeutig weniger Glück. Sie entscheiden sich gegen die Hütte und müssen ihr Zelt im Regen aufbauen.

IMG_0004Da der Regen etwas nachgelassen hat gehe ich kurz vor dem Abendessen noch ein bisschen die Straße entlang, die vom Anleger weg führt. Außer ein paar heruntergekommenen Wohnhäusern entlang der Straße, gibt es hier allerdings nicht viel. Auf dem Rückweg blockiert eine Schafherde den Weg und begutachtet mich mit skeptischen Blicken. Langsam nähert sich das „Leit-Schaf“ und beschnuppert mich ein bisschen. Dann darf ich weiter…

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Der Schein der Straßenbeleuchtung auf dem Kai lässt erahnen, dass draußen die Welt untergeht. Wir „genießen“ unser Abendessen (Reis mit Bratensauce) und vertreiben uns mit Kartenspielen die Zeit. Plötzlich hat jemand die Idee im Regen zu duschen. Also rennen wir splitternackt und nur mit Seife bewaffnet raus auf den Anleger. Der recht kalte Wind zusammen mit dem peitschenden Regen macht das Ganze doch ein wenig ungemütlich. Noch schlimmer wird es als wir feststellen, dass der Regen nicht ausreicht um die Seife abzuwaschen.

„Plötzlich hat jemand die Idee im Regen zu duschen.“

Also rennen wir auf der Suche nach Pfützen wie aufgescheuchte Hühner laut gröhlend (einerseits, weil es doch ziemlich lustig ist, andererseits, weil es langsam echt a****kalt wird) durch die Gegend. Leider wird uns nach mehreren misslungenen Versuchen mit den Wasseransammlungen (Bauchplatscher usw.) klar, dass auch diese nicht wirklich weiterhelfen. Frierend holen wir den Ortlieb (einen Wassersack mit rettendem Duschaufsatz) aus der Hütte, um die letzten verbliebenen Reste der Seife abzuwaschen… Wir sind froh, als wir endlich wieder im Warmen sitzen, wenn auch mit ein paar Seifenresten hinter den Ohren. Bald darauf legen wir uns schlafen. Während das kleine Häuschen unter dem heftigen Unwetter leidet und uns das unmissverständlich mit Quietschen und Knarren mitteilt, schlafe ich mit dem Wunsch nach besserem Wetter für morgen ein. Wie es wohl den 2 Franzosen geht? Hoffentlich wurden sie nicht weggeschwemmt…

Tag 5

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Ab durch den Sumpf…

Bei der gestrigen Planung für heute hatten wir leider nicht berücksichtigt, dass es Sonntag ist. Die Fähren fahren an Sonntagen genau 0 mal und somit müssen wir zu Fuß weiter. Der Weg führt durch Wiesenlandschaften, sumpfiges Gras, vorbei an vielen Seen und ein ganzes Stück Straße. Wir schaffen es jedoch in 12 Stunden den 36km langen Weg bis nach Lysebotn zu bewältigen. Vielleicht haben wir uns da ein bisschen übernommen, denn am Ende sind wir ganz schön fertig. An diesem Abend fällt mir beim Waschen im Fluss meine Kamera ins Wasser und ist für die nächsten Tage erstmal außer Gefecht gesetzt. Immerhin geht es gut erfrischt in den Schlafsack. Im Zelt bin ich sogar fast zu erschöpft zum Zähneputzen…

Tag 6

Mit Muskelkater in den Füßen wache ich auf. Der Wind der in der Nacht aufkam ließ mich keine 2 Stunden am Stück schlafen. Meine Laune hält sich in Grenzen. Auch die Anderen hat ein bisschen die Mut verlassen und nach einer kurzen Besprechung steht fest, dass wir heute die Fähre nach Flørli nehmen. Ich weiß nicht ob es das Wetter, die schlechte Planung, die Rationierung beim Essen, die hohen Preise in Norwegen oder alles zusammen ist, was uns dazu bringt dort angekommen unseren Flug umzubuchen und eine Woche früher als geplant zurück zu fliegen. Jedenfalls haben wir für den nächsten Tag einen Rückflug von Stavanger aus zurück nach Frankfurt. Die letzte Nacht in Norwegen verbringen wir so im Flughafen.

Rückblick:

Norwegen war meine erste richtige Trekking-Tour. Vielleicht waren die angesetzten 17 Tage für dieses Gebiet einfach viel zu lang, denn meine Vorstellungen wurden nicht ganz erfüllt. Ich hätte nicht gedacht, dass in Norwegen außerhalb der Städte so wenig los ist. Ich habe mit ein paar mehr Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung gerechnet aber diese gab es nicht. Die kleinen Dörfer entlang des Fjords stellten sich als Häuseransammlungen heraus, die nicht oder nur vereinzelt bewohnt sind. Allgemein war auf den Wanderwegen sehr wenig los und andere Wanderer haben wir sehr selten angetroffen. Für ein Naturerlebnis ist der Fjord richtig genial, nur wer ein bisschen Gesellschaft am Abend bevorzugt und auch gerne andere Menschen und auch Einheimische kennen lernen will, muss da wohl andere Gebiete besuchen. Was auf jeden Fall gut geplant werden muss ist die Verpflegung. Bei uns war es so, dass mehr oder weniger einer alleine die Rationierung und die Zusammenstellung der Mahlzeiten übernommen hat. Besser wäre es, sich einige Wochen vorher zusammen zu setzen, um zu besprechen, was es an jedem einzelnen Tag gibt und dann zusammen quasi ein „Trekking Menü“ erstellt. Außerdem empfehle ich, sich vor dem Reiseantritt mit der Route vertraut zu machen und sich bei eventuellen Anlaufpunkten nach den Einrichtungen dort zu informieren.

3 Comments

  • Reply Ulli 4. September 2014 at 12:08

    …sehr schöne Aufnahmen und das Gefühl von „Norwegischer Laune“. Ja, das Leben, wie wir es kennen, spielt sich wohl mehr in den Städten ab. Aber Trekkingtouren sind eigentlich immer einsame Wanderungen, mehr oder weniger. Umso wichtiger sind dann die Mitwanderer, mit denen man die neuen Eindrücke „verdauen“ und geniessen kann.
    In NORGE möchte ich auch mal gerne wandern. Bisher kenne ich es nur per Auto und im Winter von Oslo bis fast zum Nordcap. Auch das war eine fantastische, wenn auch sehr frostige Erfahrung.
    Lass dich nicht entmutigen, Erfahrungen sammeln sind das wichtigste im Leben. Nur so hat man irgentwann das Gefühl nichts verpasst zu haben……..

  • Reply LeHo 17. Mai 2015 at 16:14

    Hallo,

    vielen Dank für die tollen Bilder und für den ausführlichen Bericht. Gehts dieses Jahr wieder auf Trekking-Tour?

    Wir planen dieses Jahr auch die 10-Tages-Tour um den Lysefjord. Leider scheitern wir gerade am Kartenmaterial, das vergriffen ist. Hätten Sie vielleicht einen Tipp für uns? 🙂

    • Reply Mr. Pixel 17. Mai 2015 at 17:57

      Danke für den Kommentar 🙂 Auf richtige Trekkingtour geht es dieses Jahr leider nicht, aber auf Gran Canaria lässt es sich auch gut wandern! Das mit der Karte ist natürlich doof, am besten vielleicht nochmal in Stavanger in einem Fachgeschäft nachfragen? Wir hatten die Turkart 2681: Lysefjorden dabei. Auf dieser befindet sich auch ein Routenvorschlag für die Umrundung des Fjords.

      Wie auch schon im Bericht steht, haben wir unsere Tour in Jørpeland gestartet und waren damit recht zufrieden! Wenn ich so drüber nachdenke ist das mit der Nahrung das größte „Problem“ gewesen, da auf der kompletten Route um den Fjord keine Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind. Deshalb haben wir uns am unteren Ende des Fjords auch letzten Endes dazu entschieden, mit der Föhre zurück zu fahren. Die nördliche Seite ist laut anderen Wanderern, die leichtere Seite. Auf der Südseite (Kjerag usw.) ist es wohl um einiges anspruchsvoller…

      Grüße 😉

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